Braunkohle- und Heimatmuseum Steinberg

Heimatkundlicher Arbeitskreis Steinberg am See

Granitabbau "Wasserloch"

Nur wenige wissen, dass das jetzige Freizeitzentrum mit dem idyllischen Bad eigentlich ein Granitsteinbruch war, und zwar nicht der einzige, denn in unmittelbarer Nähe gab es noch einige andere „Löcher“. Schon um 1880 scheint man mit dem gewerbsmäßigen Abbau begonnen zu haben, denn 1884 kauft die Firma Blauberg (jetzt noch bestehend in Runding bei Cham??) von Johann Donhauser ein Grundstück zur Ausbeutung und Herstellung von Granitpflastersteinen. In der „Glanzzeit“ waren fast 100 Steinhauer beschäftigt. 1901 diskutierte man die Schließung, wobei Bürgermeister Zitzler dem Bezirksamt mitteilte, dass 440 Pfund Pulver, 300 Pfund Dynamit und 3450 Zündkapseln gelagert seien. 1904 ist Schacht 5 in Betrieb, Schacht 2 wird begonnen und Schacht 6 ist geplant (daher im Volksmund auch „Oanser“, „Zwoarer“ usw.) . Während des 1.Weltkrieges ruhte die Arbeit, die etwa Ende 1918 wieder aufgenommen wurde und wohl zwei, drei Jahre später endgültig eingestellt wurde .Im jetzigen noch bewohnten „Berghaus“ wohnte bis 1900 ein Schmied. Später war es Aufenthaltsraum und Bierschänke für die Arbeiter, wobei hier die Ehefrau des Steinhauers Michael Hauzenberger Karola als „Wirtin“ erwähnt ist.

Wie es in einem Steinbruch über 100 Jahre früher zuging, erfahren wir aus einem Protokoll über einen Unfall, bei dem der 34-jährige Jakob Insbrucker aus Holzheim am 16.Januar 1901 getötet wurde. Sein Stundenlohn betrug 0,30 Mark, wobei im Sommer täglich zehn Stunden und im Sommer acht Stunden gearbeitet wurde. Der Unfall ereignete sich nach der Mittagspause, als von den beiden Steinmetzen Hiltl sen. und jun. die Bassenfuge mangels Steinmaterials aufgekeilt wurde und Insprucker den Bassenschuss lud. Er brannte diesen – ohne das vorgeschriebene Warnsignal – an, entfernte sich ungefähr 35 Meter und wartete die Detonation ab. Polier Hutzler, der das Abbrennen des Schusses erst bei sicherer Deckung aller Arbeiter hätte vornehmen lassen dürfen, befand sich zu dieser Zeit im Maschinenhaus des unteren Bruches. So wurde Jakob Insprucker von einem abgesprengten Granitstück tödlich getroffen. Dies war jedoch nicht der einzige schwere Unfall, denn schon 1884 verunglückte Simon Sieß im Alter von 32 Jahren tödlich. Auch über einen Arbeiterstreik 1901 gibt es von dem Sergeanten Michael Schiml Aufzeichnungen, als 31 Steinhauer die Arbeit einstellten. Als „Rädelsführer“ nannte er Georg Hiltl, der kurz zuvor wegen Ungehorsams vom Werkführer entlassen worden war. Der Aufstand blieb zunächst ruhig, aber zwei Tage später schickte das Bezirksamt ein „Staatstelegramm“ , in dem die Gendarmerie zu besonderer Wachsamkeit in Steinberg aufgerufen wurde, denn es seien „Räusche zu befürchten“ und „ Raufereien“ seien nicht ausgeschlossen. Insgesamt streikten von den 69 Beschäftigten 31. Diese erhielten wöchentlich 12 Mark und für jedes Kind eine Mark Unterstützung.

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